Bergwerk Niederberg / Tagesbetrieb
  Schacht Niederberg 4 in Kempen - Tönisberg
 
Der steinige Weg zur Rettung der Schachtanlage
Niederberg Schacht 4 in Kempen/Tönisberg


Am Anfang hätte fast keiner mehr daran geglaubt, dass eine Bürgerinitiative
mit ihrem unerbittlichen Einsatz hier das Ruder noch einmal rumschmeissen kann.


Aus der Bergwerksanlage liesse sich mit Sicherheit etwas für Bürger und Touristen machen. Das beste Beispiel am Niederrhein ist hierfür der schnelle Brüter in Kalkar: Hier musste uns auch erst ein Holländischer Investor zeigen wie es geht.

Gewitter nicht nur übern Schacht
Es brodelt gewaltig zwischen der Stadt Kempen und dem "Förderverein Niederberg" um die Erhaltung der Bergwerksanlage im Ortsteil Tönisberg. Schon 2002 befand der Landschaftsverband Rheinland die Anlage für Denkmalwürdig, ein Gutachten dazu verschwand über zehn Jahre in der Versenkung, ohne das der Rat der Stadt sich damit beschäftigt hat. Die Mehrheit der Politiker ist der Meinung, dass die Anlage in der zweiten Hälfte des Jahres 2014 der Spitzhacke zum Opfer fallen soll, dass will der Förderverein so nicht hinnehmen und kämft für deren Erhalt.

Foto: Förderverein Niederberg Peter Kunz
Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde aus dem kleinen landwirtschaftlich geprägten Ort Tönisberg ein Bergbaudorf. In den fast 40 aktiven  Jahren diente der Schacht 4 des Bergwerks Niederberg zunächst als Seilfahrts und Materialschacht später war er nur noch für die Bewetterung des westlichen Grubengebäudes betrieben worden. Seit der Schließung des Bergwerks Ende 2001 ist er in den Dornröschenschlaf verfallen. Wenn es nach der RAG oder nach der Stadt Kempen geht, soll die noch voll erhaltene Bergwerksanlage Mitte 2014 komplett abgerissen werden. Um dem entgegen zu Wirken haben einige Tönisberger Bürger den "Förderverein Niederberg" gegründet, dessen Ziel es ist, die Bergwerksanlage zu Erhalten oder zumindest den Förderturm zu Retten.
Hierzu gibt es eine Facebookseite:
„Rettet den Zechenturm“

und eine Internetseite:
http://www.foerderverein-niederberg.de




Einige Politiker der Stadt Kempen sind der Meinung, das der Schacht nur 10 Jahre in Betrieb gewesen sei und darum nicht bedeutent genug wäre um als Industriedenkmal erhalten zu bleiben. Die Bergwerksanlage läßt keine besonderen Baumerkmale erkennen und stelle auch keinen Zusammenhang mit dem Ruhrgebiet da, weil sie weit Abseits in einer ländlichen Umgebung am Niederrhein stehe.

Tatsache ist, daß der Schacht von 1962 bis Ende 2001 also genau 39 Jahre eine wichtige Funktion für das Bergwerk Niederberg hatte. Der Schacht wurde jedes Jahr vom Bergamt einer Schachtrevision unterzogen und war bis zur Schließung des Bergwerks Niederberg als Seilfahrtsschacht (Personenbeförderung) abgenommen worden. Alleine die Unterhaltungskosten eines offenen Grubenschachtes verschlingen Millionen im Jahr. Es kann doch nicht wirklich jemand Glauben, dass die RAG jedes Jahr so viel Geld für einen unbedeutenden Schacht zum Fenster rausgeschmissen hat. Was die Zugehörigkeit der Schachtanlage zum Ruhrgebiet angeht, kann man sich von über Tage gar kein Bild machen, weil Bergbau nun mal im Berg sprich unter Tage stattfindet. Das untertägige Grubengebäude des Bergwerks Niederberg war mit dem Bergwerk Friedrich Heinrich in Kamp - Lintfort verbunden, Friedrich Heinrich mit Rheinpreußen in Moers, Rheinpreußen mit Walsum, Walsum mit Lohberg, Lohberg mit Osterfeld in Oberhausen usw. Man hätte also in Tönisberg Anfahren können und irgendwo mitten im Ruhrgebiet wieder Ausfahren können. Wenn man dann sagt, dass der Schacht nichts mit dem Ruhrgebiet zu tun hat, zeugt das eindeutig davon, dass man sich mit dem Thema Bergbau in Kempen gar nicht richtig beschäftigt hat und einfach nur irgend welche Argumente gegen den Erhalt der Bergwerksanlage aus dem Hut zaubert. Das man sich das so einfach macht, haben auch die fünf Kumpel, die 1967 bei einem Strebbruch unter Tönisberg ums Leben kamen nicht verdient und die nachfolgenden Generationen schon gar nicht.
 
  Die Bauart des Förderturms ist einzigartig im gesamten Ruhrbergbau. Das alleine Macht den Turm schon erhaltenswert. Die gesamte Bergwerksanlage durfte nur mit erheblichen Auflagen gebaut werden um sie der Umgebung anzupassen z.B. die Seilscheiben durften keine offenen Speichen haben um Lärmbelästigung für Mensch und Tier zu Verhindern. Die Höhe des Turms und der Gebäude mußte so niedrig wie möglich gehalten werden um das Gesamtbild der Moräne nicht übermässig zu beeinflussen.
Der Förderturm symbolisiert für uns und unsere europäischen Nachbarn aus Belgien oder Holland von der Niederländischen Grenze her die A 40 kommend das
" Tor zum Ruhrgebiet "

So sah das Ende 2013 bei Nacht aus

Foto: Förderverein Niederberg Peter Kunz
Auch in Belgien und Holland wurde früher Kohlenbergbau betrieben, in diesen Ländern bereut man es heute sehr, daß man vom Bergbau fast nichts mehr übriggelassen hat. Um so unverständlicher ist es, daß wir 40 Jahre später gut sichtbar für unsere Nachbarn nichts dadurch gelernt haben und die gleichen Fehler wiederholen. Was spricht dagegen in dem einst größten zusammenhängendem Kohlenrevier der Welt die  westlich und östlichsten sowie die nördlich und südlichsten Schächte als gut sichtbare Grenze der alten deutschen Industriekultur für spätere
Generationen zu erhalten.
Da könnte und sollte der Kreis Viersen, sowie die Stadt Kempen Stolz darauf sein dazugehören zu dürfen.

 
Denkmal darüber nach
  
Wo früher mal der Müller mahlte,
das Mehl für unser täglich Brot,
sich später dann der Bergmann plagte,
und für uns die Kohlen hob.
Die Mühle steht auch heut noch immer,
wie in der Vergangenheit,
nur den Turm den will man nimmer,
er steht zum Abriß nun bereit.
Um den Abriß zu Verhindern,
dazu sind wir jetzt bereit,
was erzählen wir sonst den Kindern
über die Vergangenheit.
Früher zerstörten Streit und Kriege
unser hystorisches Gefüge.
Heute sind es knappe Kassen,
die alles alte Fallen lassen.
Denn nichts ist leichter als zu Sagen,
der alte Schacht wird abgetragen.
Februar 2014 © Klaus Hardelauf

Es geht auch ohne viel Aufwand

Foto: Josef Schröder
Zwölf Jahre hat der Turm im Dornröschenschlaf gestanden, bis sich eine Bürgerinitiative dem Industriebauwerk annahm und mit Genemigung des Eigentümers die RAG Montangründstücksgesellschaft mit wenig Aufwand und der Hilfe einiger Tönisberger Handwerksbetriebe annahm. Der Zechenturm wurde vorübergehend in der Adventszeit 2013 bis zum Jahreswechsel an den Wochenenden wunderschön ausgeleuchtet.
Jetzt stellt sich einem die Frage, warum kümmert man sich erst jetzt um den Turm?
Bis jetzt hatte man immer noch die Hoffnung, daß wenigstens das Schachtgerüst als sichtbares Zeichen des Bergbaus vor Ort der Nachwelt erhalten bleibt. Was man nicht wußte, daß die Bergwerksanlage schon 2002
von Herrn Prof. Dr. Ing. Buschmann damals beim Landesamt für Denkmalpflege LVR für Denkmalwürdig eingestuft wurde. Dieses Gutachten ist der Stadt Kempen zugestellt worden mit der Empfehlung es an die untere Denkmalschutzbehörde, für die die Stadt zuständig ist weiter zu leiten und die Anlage unter Denkmalschutz zu Stellen. Das ist nicht geschehen, statt dessen ist dieses Schreiben für Jahre in irgendeiner Schublade verschwunden. Erst als der bevorstehende Abriß der kompletten Anlage außer einige Gebäude in der die Fa. Naue Industriefolien herstellt im Gespräch war, bildete sich eine Bürgerinitiative für den Erhalt der Anlage. Bei den Recherchen der Bürgerinitiative kam dann der Hinweis zu dem Gutachten. Man gründete den Forderverein Niederberg und versucht nun zu Retten was noch zu Retten ist.
Hoffendlich mit Erfolg!
Herr Prof. Dr. Ing. Buschmann hält die Anlage auch heute noch für Denkmalwürdig.
Die Stadt Kempen hält die Bergwerksanlage für viel zu unbedeutend um sie unter Denkmalschutz zu Stellen.
Die Ruhrkohle AG möchte nichts in die Bergwerksanlage investieren und abreißen.
Die Fa. Naue droht mit einer Standortverlegung, falls die leerstehenden Gebäude für Freizeit oder Kulturveranstaltungen genutzt würden.



Bau der Bergarbeitersiedlung in Tönisberg ca. 1961



So unbedeutend wie immer gesagt wird war der Schacht 4 für Tönisberg gar nicht.
Als Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts der Schacht niedergebracht wurde, war Tönusberg eine kleiner verschlafener Ort, der durch die Bergwerksanlage zum Leben erweckt wurde. Es wurde eine Bergmannssiedlung nach dem damals modernsten Stand mit Fernheizung errichtet, was in der damaligen Zeit als die Privathaushalte noch mit Holz und Kohleöfen heizten nicht selbstverständlich war. Die Einwohnerzahl hatte sich von heute auf morgen explositionsartig fast verdoppelt. Die hiesige Geschäftswelt profitierte dadurch enorm. Die Erfolge sieht man auch Heute noch wenn man sich das Gewerbegebiet, ansieht. Was ist aus der kleinen Metzgerei Sauels oder der kleinen Bäckerei Hoenen geworden? Handwerksbetriebe wie Fetzke und Schneider (früher Sitters) oder der Malerbetrieb Thissen verdienen sich bei der Ruhrkohlentochter VIVA West (Evonic) heute noch eine goldene Nase. Oder die KFZ - Werkstatt Dams an der Niederrheinstrasse, sie hätte es ohne den Bergbau nie gegeben wurde aber für den ehemaligen Besitzer eine Goldgrube. Leider hatte sich nach nicht mal 10 Jahren Laufzeit des Schachtes herausgestellt, das die Kohlenvorräte unter Tönisberg nicht so ergiebig waren wie man es sich erhofft hatte und somit wurde die Anlage für die Seilfahrt der Bergleute und den Materialtranzport nicht mehr benötigt. Für die Wetterführung ( Belüftung ) des westlichen Grubengebäudes unter Schaephuysen und Rheurdt, wo bis zur Schließung des Bergwerks Niederberg im Dezember 2001 aktiv Kohle abgebaut wurde war der Schacht unverzichtbar und lebensnotwendig. Nach der Teilstillegung der Bergwerksanlage Anfang der siebziger Jahre wechselte die Niederberg - Chemie, sie gehörte zur NBAG später Bergwerk Niederberg, vom Standort Schacht 1 – 2 in Neukirchen – Vluyn in einige leerstehenden Gebäude des Schachtes 4 ( Tönisberg ) und begann das zu produzieren, was später nach einigen Besitzwechseln heute noch die Fa. Naue dort macht. Man bedenke: Ohne den Bergbau mit der Niederberg – Chemie gäbe es dort heute auch keine Fa. Naue. Das dazu, aber ich Glaube da ist noch ein anderes Problem! Würde die Bergwerksanlage in Kempen oder Viersen stehen, könnte sich die Fördergemeinschaft beruhigt zurücklehnen. Dann wäre man Stolz auf die Bergbauvergangenheit und würde sie heute anders Nutzen und Vermarkten. Aber es kann doch nicht sein, daß der kleine Ort Tönisberg ein Denkmal der Schwerindustrie hat, welches nach dem Jahr 2018, wenn es keinen aktiven Bergbau mehr gibt ein Anlaufpunkt für Besucher werden könnte.
Ich denke mal an die Industriekultur im Ruhrgebiet mit ihren vielen Veranstaltungen, wie z.B. „Die Extraschicht“ wo in allen Industriedenkmälern an einem Tag im Jahr ein Tag der offenen Tür stattfindet. (siehe K.- Lintfort im Jahr 2013 oder Moers im Jahr 2015)
Die Anlage und Zechenturm als Anziehungspunkt  und Kempen guckt in die Röhre das muß man nicht haben!
Da sagt man lieber: Der Turm muß weg, man möchte keine Konkurrenz. Dabei könnte alles so schön sein. Auf der einen Seite die Thomasstadt Kempen mit ihrer wunderbaren Altstadt, die ländliche Umgebung zwischen Kempen und Tönisberg, dazwischen, den schönen Ort St. Hubert und auf der anderen Seite der kleine idyllische Ort Tönisberg mit der Bergmannssiedlung sowie Mühle und Bergwerksanlage auf der Moräne. In einigen Gebäuden der Bergwerksanlage wird sogar noch an einem Produkt gearbeitet, welches der Bergbau begonnen hat. Genau hier an diesem Punkt vereinten sich einmal Landwirtschaft und Industrie.
Hier hätten die Kinder und Jugendlichen der nächsten Generationen auch im Schuluntericht  die Gelegenheit einiges über ihre Heimat, der Landwirtschaft und dem Bergbau zu Sehen und zu Erfahren um sich mit ihr identifizieren und verwurzeln zu können ohne mitten ins Ruhrgebiet fahren zu müssen.
Nur wer seine Heimat kennt und liebt, schützt und pflegt auch das Brauchtum. Darum müssen wir das Alte erhalten und Schützen damit unsere Kinder eine Chance haben es richtig weiterzuleben und weiterzugeben.


Montage des Förderturms Schacht: 4

Denkmal darüber nach

Heute ist man schnell bereit, das Alte zu zerstören.

Man scheißt auf die Vergangenheit, als würd sie nicht zu uns gehören.
Hätten  die Alten so gedacht, dass möchte man behaupten.
Wäre die Altstadt flachgemacht, dort ständen Plattenbauten.
Alles scheitert nur am Geld, pflegt man heut leicht zu sagen.
Was wird denn nur aus unserer Welt, wenn wir nicht mal was Wagen.
Mit Geld allein, da schafft man`s kaum, man muss sich auch Bewegen.
Dann entsteht aus jedem Traum, ein ganz reales Leben.
Hätte man immer so gedacht, wie viele  heut es tun.
Wäre alles Alte kaputtgemacht und würde heute Ruh`n.
Wir wüssten nichts von unseren Ahnen, wie es früher einmal war.
Wie sie lebten, woher sie kamen, all das wäre uns nicht klar.
In dem Sinne lasst uns Hoffen, dass der Schacht erhalten bleibt.
Dann steh`n alle Türen offen, auch die der Vergangenheit.
April 2014 © Klaus Hardelauf


Niederlage für die Stadt Kempen
22.08.2014

Bei einem Treffen im Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr (MBWSV) trafen sich Vertreter der Stadt Kempen, des Kreises Viersen, des Landschaftsverbands Rheinland und des Ministeriums.
Das Fachreferat des MBWSV vertritt die gleiche Meinung wie der Landschaftsverband Rheinland, die Bergwerksanlage unter Denkmalschutz zu stellen. Die Vertreter des Ministeriums verwiesen auf eine Liste aus dem Jahr 2006, die erst dieses Jahr aktualisiert wurde. Auf dieser Liste, die von der RAG, dem MBWSV und der Deutschen Stiftung Industriekultur erarbeitet wurde, wird ein Teil der Bergwerksanlage als Denkmalwürdig eingestuft und das obwohl die RAG die Bergwerksanlage dem Erdboden gleich machen will. Der Bürgermeister und sein Gefolge zeigten sich nach eigenen Angaben überascht und ahnungslos über die Existenz einer solchen Liste. Nun muss die Stadt Kempen die Unterschutzstellung noch einmal vom Fachausschuss entscheiden lassen.
Die Ahnungslosigkeit der Stadtväter über die Existenz einer solchen Liste hätte man sich erspart, wenn man sich mit der Sache vorher ernsthaft beschäftigt und besser eingearbeitet hätte.
"Das erklärt einiges im Umgang mit dem Thema Niederberg 4"
1 : 0 für die Fördergemeinschaft

Denkmalwürdig Ja oder Nein / Weiß man`s oder weiß man`s nicht
Die Verwaltung der Stadt Kempen ist in ihrer Verwaltungsvorlage
für die Sitzung des Denkmalausschusses am 15.09.2014 unter anderem der Meinung, dass die Bergwerksanlage nur ein schwaches Baudenkmal darstelle und nur eine Fehlplanung der damaligen Niederrheinischen Bergwerks AG gewesen sei.
1.) Es gibt nur Denkmäler oder es gibt sie nicht.
Wo in Deutschland steht solch ein schwaches Denkmal?
Es gibt aber schwache Argumente gegen die Denkmalwürdigkeit.
2.) Ein Beispiel dafür:
Nachdem man von der Liste der Denkmalwürdigkeit der Anlage beim MBWSV nichts wusste, fragt man sich woher einige Verwaltungsangestellte in ihrer Verwaltungsvorlage Wissen und Behaupten können das der Bau des Außenschachtes eine Fehlplanung war. Um so etwas zu Veröffentlichen, muss man die Geschichte sowie die Funktion und die Geologie eines Bergwerks kennen d.h. man muss sich kundig machen und nicht irgendwelche Behauptungen aufstellen. Wer sagt denn zum Beispiel das wenn die RAG 1969 nicht die Zeche NBAG übernommen hätte, ob dann der Schacht länger voll genutzt worden wäre. Kann es nicht sein, dass die RAG eine Planänderung entgegen der Planung der NBAG vorgenommen hat. Wer weiss? Da sollte man Vorsichtig sein. Man sieht schon nur an diesen Beispiel, dass man sich nicht richtig mit der Sache auseinander setzt. Für die Stadt steht fest, der Außenschacht darf nicht unter Denkmalschutz gestellt werden und Punkt.
Hoffentlich sehen die oberen Behörden das anders.

Es bleibt dabei!
Wie nicht anders zu erwarten wird der Zechenturm nicht unter Denkmalschutz gestellt. Das LVR - Amt für Denkmalschutz will nun den Ministeranruf tätigen, was zur Folge hat, dass nun der Minister über den Denkmalschutz entscheidet. 
Es heisst: Man hat sich intensiv mit der Sache beschäftigt aber man hat nie von etwas was gewusst und die politischen Gegner des Zechenturms sagen Kempen ist keine Bergbaustadt.
Das ist nicht Richtig: Kempen wurde bei der Eingemeindung vom Bergbauort Tönisberg zu Kempen zwangsläufig im Jahr 1970 eine Bergbaustadt. Damals war man ganz Stolz auf die Eingemeindung, hatte man sich vom Bergbau doch sehr viele finanzielle Vorteile für die Stadt Kempen versprochen. Leider kam es aber anders. (Teilstilllegung im Jahr 1972) Von da an wurde der Ort Tönisberg immer mehr zum Stiefkind degradiert. Die Gewerbesteuereinnahmen von Tönisberg waren den Kempenern immer wichtig aber das Kulturgut des Ortes war und ist ihnen egal. So wie man mit der Erhaltung des Bergwerksgeländes seitens einiger Politiker und der Stadtverwaltung umgeht vor allen Dingen die Art und Weise als auch die Argomentation kann man auch als nicht Kempener Bürger nur mit dem Kopf schütteln. 
Sollte der Zechenturm abgerissen werden, wird man es mit Sicherheit in einigen Jahren bitter bereuen, hoffentlich am meisten die jenigen, die heute mit ihren Fehlentscheidungen negative Stadtgeschichte schreiben. Vielleicht wird manch einer noch Erleben, dass man später zu diesem Thema mit dem Finger auf ihn zeigt und er dann seinen Enkelkindern sagen muß: Hier stand früher einmal eine Zeche.
"Ich bin verantwortlich dafür, dass sie da nicht mehr steht"



Denk mal darüber nach

Die meisten  haben längst vergessen, was früher mal der Bergmann schuf.
Sie haben sich alle satt gegessen, Bergbau weg ist heut ihr Ruf.
Kämen nochmal schlechte Zeiten, sehe es Düster heute  aus.
Sie könnten sich kein Mal bereiten, bitter kalt wär auch ihr Haus.
Lenkt euch wirklich noch der Glaube, dass es heut noch Wunder gibt.
So das euch die gebratene Taube, direkt auf euren Teller fliegt.
So wie damals in den Trümmern, grau und ohne Sonnenschein.
Wo Stahl und Kohle sich drum Kümmern, endlich wieder  Mensch zu sein.
Angesichts der schweren Zeit, das ist doch keine Frage.
Wär es schön der Turm der bleibt und das noch viele Jahre.

April 2014 © Klaus Hardelauf

 
Auf einmal bewegt sich was
Nach dem der Ministeranruf getätigt wurde, gibt es endlich am 03.12.2014 einen Ortstermin um die Bergwerksanlage zu besichtigen und ein anschließendes Gespräch im Rathaus zu führen. Neu ist, dass Herr Kunz von der Bürgerinitiative nach diesem Gespräch die Möglichkeit hat seine Standpunkte dazulegen. Dazu ist im eine Einladung zugestellt worden.
Zu einem abschließendem Ergebnis ist noch nicht gekommen.

Die Arbeit der Bürgerinitiative hat sich gelohnt.
Am 19.02 2015 kam folgender Bescheid aus dem Ministerium:
Landesbauminister Groschek hat nach gründlicher Prüfung entschieden, dass die Schachtanlage Niederberg auf dem Wartsberg als Baudenkmal eingetragen werden muss. Die Stadt Kempen wurde vom Minister angewiesen, die Gebäude in ihrer Denkmalliste einzutragen. Aus Sicht des Ministers ist der komplette Erhalt oder ein Teilerhalt der Anlage denkbar. Unter strengen denkmalschutzrechtlichen Vorgaben ist aber ein Abriß nicht ausgeschlossen. Allerdings sind wir noch nicht über den Berg, warnte Peter Kunz von der Bürgerinitiative. Er appellierte an alle Verantwortlichen, nun gemeinsam nach einer dauerhaften Lösung zum Erhalt der Schachtanlage zu suchen. Für den Landesbauminister ist die Sache klar, so Groschek. Die Schachtanlage habe in vielfacher Hinsicht eine herausragende Bedeutung. Sie ist bedeutend für die regionale Geschichte und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsprozesse. Für den Erhalt und die Nutzung der Schachtanlage in Kempen liegen letztlich sowohl städtebauliche als auch wissenschaftliche Gründe vor. Der Minister machte aber auch Vorwürfe an die Stadt, die "Sorgfaltspflichten" als Untere Denkmalbehörde verletzt zu haben, was der Bürgermeister mit folgender Begründung entschieden zurückwies. Das LVR - Denkmalamt, hätte frühzeitiger bei der Stadt nachkaken müssen. Für die Stadt sei bei der Erteilung der Abrißgenehmigung eine Unterschutzstellung längst erledigt gewesen. Die RAG Montan Immobilien GmbH als Eigentümerinn der Anlage hat sich bis jetzt dazu noch nicht geäußert.
Herzlichen Glückwunsch an Peter Kunz und die Bürgerinitiative!

Kommentar:
Die erste Etappe ist genommen, die Bürgerinitiative hat sie gewonnen, Schuldzuweisungen bringen jetzt gar nichts mehr, jeder weiss, dass es nicht immer ganz sauber zugegangen ist. Nun sollte man sich damit abfinden und den Schalter wieder auf "Start" umlegen. Jetzt heisst es tief Luft holen sich an einen Tisch setzen und wie erwachsene und verantwortungsvolle Menschen vernünftige Kompromisse suchen um so schnell wie möglich eine für alle zufriedenstellende Lösung für die Bergwerksanlage zu finden.

Neues vom Zechenturm
In einem Fernsehbericht der Lokalzeit Düsseldorf sagte Herr Stephan Conrad von der RAG - Montan, dass man kein Interesse daran habe Denkmäler zu Unterhalten. Man wird alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen um die Bergwerksanlage dem Erdboden gleich zu machen. Sollte dieses nicht möglich sein, ist man bereit der Stadt Kempen die Denkmalgeschützten Gebäude zu überlassen.
Da wir alle wissen, dass die Stadt weder Interesse noch Geld für die Anlage investieren möchte wird auf die Bürgerinitiative "Rettet den Zechenturm" ein harter Kampf um die Erhaltung der Gebäude zukommen.

Mein Kommentar: Als der Bergbau in seiner Blüte stand hat man bis ins Ausland um Bergleute geworben. Man hat Kolonien, ja ganze Stadtteile gebaut und ihnen Wohnraum mit Gärten für billige Mieten angeboten um sie somit von sich abhängig zu machen. Somit hatte man treue und zuverlässige Mitarbeiter mit deren Arbeitskraft sich gutes Geld verdienen ließ. Im Jahr 1957 zählte der Bergbau über 600000 Beschäftigte. Ohne die Kumpel und die Stahlwerker im Ruhrgebiet hätte es im zerstörten Deutschland schon zehn Jahre nach dem zweiten Weltkrieg kein Wirtschaftswunder gegeben. Wie hätte man ohne Kohle Stahl erzeugt? Wie wären ohne Kohle die Stromkraftwerke betrieben worden? Wie kätten wir ohne Kohle einen warmen Arsch gekriegt? Sie haben geschuftet sechs Tage die Woche und das oft 12 bis 16 Stunden täglich noch bis spät in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts damit es uns heute so gut geht. Als Dank dafür zerstört man ihre Vergangenheit! Der Zechenturm ist nicht nur ein Zeitzeuge oder eine Erinnerung er ist auch ein Denkmal an die Tönisberger Kumpel, die ihr halbes Leben vor der Kohle für unser Land, ihrer Heimat und ihre Familien verbracht haben. Darum ist es besonders wichtig die Fördertürme der Randzechen aller vier Himmelsrichtungen zu erhalten damit man immer nachvollziehen kann, wie groß das Kohlenrevier war mit dem Deutschland in relativ kurzer Zeit zu einer Wirtschaftsmacht wurde.
Das sind wir den ehemaligen Kumpeln schuldig.     "Auch in Kempen"

Die Stiftung Industriedenkmalpflege hat kein Interesse an Schacht:4
Man hat zwar den Förderverein Niederberg und den NABU Krefeld/Viersen zum Gespräch eingeladen, aber ausdrücklich zu Verstehen gegeben, dass man keinerlei Interesse an der Schachtanlage habe. Anscheinend hatte man sich schon im Vorfeld des Gesprächs im Vorstand der Stiftung auf diese Entscheidung geeinigt. Der Förderverein und der NABU hatten noch nicht einmal die Gelegenheit ihre Interessen und Vorschläge zur Nutzung der Anlage vorzubringen. Selbst wenn, hätte es wohl sowieso nichts gebracht, man wäre in einem Interessenkonflickt geraten weil es sich bei den Vorständen von RAG und der Stiftung z.T. um die gleichen Personen handelt. (RAG will den Abriss)
Den schnellen Brüter in Kalkar wollte auch keiner haben, bis ein Holländischer Investor sich des Objektes annahm und siehe da, "der Laden läuft". Ich könnte mir Vorstellen, dass manch einer sich heute noch ärgert nicht selbst die Idee vom Kernwasserwunderland gehabt zu haben.
Das mal nur zum Nachdenken!

Herzlichen Glückwunsch
Zu einem rund zweistündigem Treffen am 17.12.2015 im Kempener Rathaus nahmen Vertreter des NRW - Ministeriums für Bauen, Stadtentwicklung und Verkehr, der Ruhrkohle AG, des LVR - Amtes für Denkmalpflege, der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, der Bezirksregierung Düsseldorf, der Kreisverwaltung Viersen und der Stadt Kempen teil. Darüber hinaus waren alle Fraktionen, der NABU und der Zechenturm - Förderverein dabei. Die Gespräche haben ergeben, dass in Ruhe ein mögliches Nutzungskonzept für das Gelände erarbeitet werden soll. Ein Abriss der denkmalgeschützten Gebäude ist vorerst vom Tisch.

Warum nicht gleich so
Leider hat sich bis Ende Mai 2016 noch nicht viel sichtbares auf dem Bergwerksgelände ergeben, um so erfreulicher ist es aber, dass der Umgang und der Umgangston untereinander respektvoller geworden ist. Bleibt nur zu Hoffen, dass man nun weiter auf Augenhöhe verhandelt und  auch zu einem für alle zufriedenstellendem Ergebnis kommt. Die Bereitschaft dazu scheint bei allen Beteiligten vorhanden zu sein.
Das sieht man jetzt im Spätsommer 2016 daran, dass es ernsthafte Interessenten gibt, die evtl. bereit sind in die Bergwerksanlage zu Investieren. Besonders erfreulich ist, dass die RAG bereit ist mit den Investoren, wovon einer angeblich ein besonderes Interesse zeigt sich an einen Tisch zu setzen. So wie es aussieht, scheint der Informationsfluss aber auch der allgemeine Umgang miteinander erfreulich entspannt zu sein. Sollte es hier zu einem für alle Parteien befriedigendem Kompromiss kommen, wird man in den nächsten Jahren feststellen, dass es sich lohnt etwas Vorweisen zu können, was es so in Deutschland kaum noch gibt. Dabei darf man auch nicht Vergessen, dass es ohne die Verbissenheit von Peter Kunz und seinen Mitstreitern dieses Indestriedenkmal mit Sicherheit heute nicht mehr geben würde. Der Zechenturm wäre gefallen und einige würden es bitter bereuen so leichtfertig mit der Vergangenheit umgegangen zu sein.



 

 
   
 
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