Bergwerk Niederberg / Tagesbetrieb
  Bergbau am linken Niederrhein
 

Der Bergbau am linken Niederrhein
   



Die Schachtanlagen mit ihren Schächten

Von den ersten Mutungsbohrungen bis zum Ende des Bergbaus.

Bis zum Jahr 1850 war man der Meinung, dass am linken Niederrhein keine Kohlelagerstätten unter der Erde vorhanden sind. Schliesslich unternahm der Unternehmer Franz Haniel 1851 mehrere Mutungsbohrungen im linksrheinischen Gebiet um Homberg. Auf Grund des erfolgreichen Nachweises von Steinkohlevorkommen wurde die Gewerkschaft Rheinpreußen gegründet, unter der diverse Feldbesitze konsolidiert werden konnten. Da am linken Niederrhein das französische Bergrecht und nicht das preußische Bergrecht gald, konnten ungewöhnlich große Feldbesitze gemutet werden, die sich unter Homberg, Baerl sowie das Moerser und Rheinkamper Stadtgebiet erstrecken. So begann man mit dem Bau des ersten Bergwerks am linken Niederrhein: Das "Bergwerk Rheinpreußen" 

Das Bergwerk Rheinpreußen

 

Im Jahre 1857 begann man mit den Teufarbeiten für Schacht 1. Schwimmsandeinbrüche brachten die Abteufarbeiten teilweise zum Erliegen. Da es nicht sicher war, ob Schacht 1 in Betrieb gehen konnte, wurde 1866 neben Schacht 1 mit dem Abteufen von Schacht 2 begonnen. An Schacht 2 wurde die Förderung 1876 und an Schacht 1 wurde die Förderung 1884 aufgenommen. Im Jahr 1891 wurde dann der Schacht 3 in Homberg -  Hochheide abgeteuft, der 1898 die Förderung aufnehmen konnte. Aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklungen wurde im Jahr 1900 mit dem Abteufen der Schächte 4 in Moers - Hochstraß und Schacht 5 in Rheinkamp - Utfort ( Später Schachtanlage Rheinpreußen 5 / 9 ) begonnen. Nachdem Schacht 3 im Jahr 1914 und bevor Schacht 1 / 2 im Jahr 1925 für die Förderung stillgelegt wurden, begann man 1922 in Rheinkamp - Repelen mit dem Abteufen des Schachtes 6 und 1927 Schacht 7 ( Später Schachtanlage Pattberg 1 / 2 ). Der Schacht 6 nahm 1927 und der Schacht 7 nahm 1934 den Betrieb auf. Der Wetterschacht Rheinpreußen 8 in Rheinkamp - Gerdt wurde 1943 in der nähe des Rheins abgeteuft und ist 1945 in Betrieb gegangen. Als letzter Schacht ist im Jahre 1958 direkt neben dem Schacht 5 in Moers - Utfort der Schacht 9 abgeteuft worden. Er ging 1962 in Betrieb und wurde zum  Hauptförderschacht der Zeche Rheinpreußen

Die Pattbergschächte



Die Pattbergschächte gehen aus den Schächten Rheinpreußen 6 / 7 hervor. Die Schachtanlage wurde 1927 zu Ehren des früheren technischen Direktors der Gewerkschaft Rheinpreußen in " Pattbergschächte " umbenannt. Daher bürgerte sich auch im offiziellen Sprachgebrauch die Bezeichnung " Pattberg 1 / 2 " ein.
Auf dem Werksgelände befand sich vor dem zweiten Weltkrieg eine kleine Kokerei, die nach dem Krieg durch eine grössere Kokerei mit 170 Öfen ersetzt wurde. Die Schachtanlage " Pattberg " bildete 1969 zusammen mit der Kamp - Lintforter Schachtanlage " Rossenray " die " Werksdirektion Pattberg / Rossenray ".
1971 wurde die Werksdirektion Pattberg / Rossenray mit der Schachtanlage Rheinpreußen 5 / 9 zum Verbundbergwerk " Rheinland


Schachtanlage Rossenray



Die Vorarbeiten der Schachtanlage Rossenray begannen schon vor dem ersten Weltkrieg, sind dann aber zum Erliegen gekommen. Sie sind dann 1937 wieder aufgenommen worden, so dass man 1943 mit dem Gefrierprozeß beginnen konnte. Das Ende des zweiten Weltkriegs brachte die Arbeiten wieder zum Erliegen. Im Jahr 1957 konnten die Teufarbeiten endlich fortgesetzt werden. Im Jahr 1963 erreichten die Schächte 1 / 2 ihre Endteufe. Schacht 2 ging mit einer kleinen provisorischen Förderanlage in Betrieb. Schacht 1 wurde lediglich offen gehalten. 1969 wurde die Anlage mit der Schachtanlage Pattberg als eine Werksdirektion geführt. Die Ruhrkohle AG entschloss sich die Schachtanlage Rossenray als Anschlussanlage auszubauen, allerdings viel kleiner als ursprünglich geplant. 1990 ist dann Rheinpreußen 5 / 9 und 1993 sind die Pattbergschächte stillgelegt worden. Die Schächte Rossenray 1 / 2  sind dem Kamp - Lintforter Bergwerk Friedrich - Heinrich zugeschlagen worden. Somit entstand das " Verbundbergwerk Friedrich - Heinrich / Rheinland

Bergwerk Friedrich - Heinrich



Nach Probebohrungen in den Jahren 1901 bis 1904 wurde 1907 mit dem Abteufen der Schächte 1 / 2 begonnen, die am 01.07.1912 die Kohleförderung aufnahmen. Im Jahr 1928 wurde mit den Teufarbeiten des Schachtes 3 ( Norddeutschland ) begonnen, der 1931 in Betrieb ging. Auf dem Werksgelände der Schächte 1 / 2 stand eine Kokerei, die im zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden ist, sie wurde nach dem Krieg in den Jahren 1947 bis 1954 Zug um Zug durch einen Neubau mit 160 Öfen ersetzt und bis 1978 betrieben. 1956 wurde der Schacht 1 mit einer Turmförderanlage versehen, die mit zwei Vierseil - Gefässförderungen ausgestattet wurde. Sie war bis zur Schließung des Bergwerks Ende 2012 die Hauptförderanlage des  " Bergwerks West ". Im gleichen Jahr ist mit dem Abteufen des Schachtes 4 in Hoerstgen begonnen worden, er wurde 1964 vollständig in Betrieb genommen. Das Bergwerk Friedrich - Heinrich ist 1969 in die "Bergbau AG Niederrhein" eingegliedert worden und im Jahr 1993 mit dem Verbundbergwerk Rheinland zum " Verbundbergwerk Friedrich - Heinrich / Rheinland " geworden.
Am 01.01.2002 nach der Schliessung des Bergwerks Niederberg wurde dann das Verbundbergwerk " Bergwerk West " als verlässlicher Partner im Westen gegründet.

Bergwerk Niederberg früher N.B.A.G.

                                 
 
Nach der Gründung der Niederrheinischen Bergwerks AG ( NBAG ) im Jahre 1911 ist mit den Teufarbeiten der Schächte 1 / 2 im Jahr 1912 begonnen worden. Bedingt durch den ersten Weltkrieg konnte der Schacht 1 erst 1917 und der Schacht 2 erst 1921 in Betrieb gehen. Um sich den Abbaubetrieben besser erschliessen zu können, wurde von 1954 bis 1957 der Schacht 3 in Moers / Kapellen und von 1959 bis 1964 der Schacht 4 in Kempen / Tönisberg niedergebracht. Um die Förderung rationalisieren zu können wurde ab 1964 der neue Förderschacht 5 abgeteuft, er ging 1969 mit nur einer und dann 1976 mit der zweiten Turmförderung in Betrieb. Bei den Förderanlagen handelt es sich um zwei Vierseil - Gestellförderungen mit fünf Etagen je 5000 l Wagen. Da die Schachtanlage eine Hausbrandzeche war, befand sich auf dem Werksgelände eine Brikettfabrik. Die N.B.A.G ist 1969 in die " Bergbau AG Niederrhein " eingegliedert worden und wurde ab 1970 in Bergwerk " Niederberg " umbenannt, dass Bergwerk war ab 1973 nach der Stillegung des Bergwerks Diergardt - Mevissen die einzigste Hausbrandzeche mit der letzten Brikettfabrik in der RAG. 1987 erfolgte untetägig auf der vierten Sohle der Durchschlag von Niederberg 5 nach Friedrich - Heinrich 3. In den 80er Jahren sind zwar auch noch sehr viele Umbauarbeiten an den Schächten und an den übertägigen Anlagen getätigt worden, aber der Markt für Hausbrandkohlen war so stark rückläufig, dass man sich entschloss zum Jahresende 2001 mit dem Bergwerk Friedrich - Heinrich / Rheinland das " Bergwerk West " zu Gründen. Dieser Schritt erfolgte am 01.01,2002 unter völliger Aufgabe der Niederberg - Schächte.

Zeche Diergardt



Im Jahre 1909 erfolgte die Gründung der Gewerkschaft Diergardt. Diese begann 1910 an der Asterlagerstrasse mit dem Abteufen des Schachtes 1 ( Carl Theodor ). Zugleich wurde an der Essenbergerstrasse ein Wetterschacht geteuft ( Später Schacht 2 genannt ). Beide Schächte gingen 1912 in Betrieb. Im gleichen Jahr wurde auf der anderen Rheinseite mit den Teufarbeiten des Schachtes Java ( Später Schacht 3 Franz Ott genannt ) begonnen, der 1915 den Betrieb aufnahm. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Schacht 1 mit Schacht 3 durchschlägig. 1927 erfolgte der Zusammenschluss der Gewerkschaft Diergardt mit der benachbarten Gewerkschaft Wilhelmine Mevissen zur 
" Diergardt - Mevissen Bergbau AG ". Die beiden Schachtanlagen wurden als selbständige Grubenbetriebe fortgeführt. 1957 erfolgte untertägig der Durchschlag mit Wilhelmine Mevissen. Da die Lagerstätten nicht mehr ergiebig genug waren, wurde das Baufeld Diergardt schrittweise aufgegeben. 1963 wurde Schacht 3 stillgelegt und verfüllt. 1967 erfolgte die Gesamtstillegung von Diergardt 1 und 2 unter Abtretung der Restvorräte im Grubenfeld an die Zeche Wilhelmine Mevissen.

Zeche Mevissen


1912 begann die neu gegründete Gewerkschaft Wilhelmine Mevissen mit den Teufarbeiten der Schächte 1 und 2, die 1913 und 1914 in Betrieb gingen. 1927 ging die Gewerkschaft Wilhelmine Mevissen zusammen mit der Gewerkschaft der Zeche Diergardt in die neugegründete " Diergardt - Mevissen Bergbau AG " über. 1936 wurde in Rumeln ein Wetterschacht geteuft ( Schacht Fritz ) er ging 1938 in Betrieb und erhielt später den Namen " Schacht Rumeln ". Nachdem der Schacht Rumeln 1945 durch die Wehrmacht unbrauchbar gemacht wurde ging er 1950 mit einem neuen Fördergerüst und erneuerten Tagesanlagen wieder in Betrieb. Von 1959 bis 1960 wurde ein zusätzlicher Wetterschacht in Kaldenhausen ( Bohrschacht Kaldenhausen ) niedergebracht. Im Jahr 1969 wurde die Schachtanlage Diergardt - Mevissen in die " Bergbau AG Niederrhein " eingegliedert. Die Schachtanlage ist dann 1973 stillgelegt worden. Alle Mitarbeiter wurden auf die Bergwerke am linken Niederrhein verteilt. Das Grubenfeld Heinrich Schlattmann ist im Bergwerk Niederberg eingebracht worden..

Die letzte Schachtanlage war das  Bergwerk West




Von alle den Bergwerken, die oben aufgeführt wurden ist das Bergwerk West als letztes Bergwerk stillgelegt worden.  Die Namensgebung "Bergwerk West" erfolgte nach der Schließung des Bergwerks Niederberg am 1. Januar 2002 und setzte sich aus allen ehemaligen Bergwerken des linken Niederrheins zusammen.
Das Bergwerk West unterhielt sechs in Betrieb befefindliche Schächte.
Schacht 1 FH als Hauptförderschacht, Schacht 2 FH als Seilfahrts und Materialschacht, Schacht 3 als Wetter und Seilfahrtsschacht, Schacht 4 FH als Wetterschacht, Schacht 1 RO als Material und Wetterschacht und Schacht 2 RO als Seilfahrtsschacht. Die Jahresförderug lag bei 3 000 000 t v.F. mit 3500 Mitarbeitern. 
Auf politischen Druck hat der RAG - Aufsichtsrat beschlossen, dass Bergwerk West als letztes Bergwerk am linken Niederrhein zum Jahreswechsel 2012 / 2013 zu Schliessen. 
Damit geht eine mehr als 150 Jährige Geschichte am linken Niederrhein und eine mehr als 100 Jährige Geschichte für die Stadt Kamp - Lintfort zu Ende. Es sind dann seit 1973 rund 25000 Arbeitsplätze nur am linken Niederrhein weggefallen. Rechnet man pro Arbeitsplatz im Bergbau noch mal 1,5 Arbeitsplätze der Zulieferindustrie mit ein, haben wir in den letzten 35 Jahren am linken Niederrhein 62500 Arbeitsplätze verloren. Rechnet man die 6000 Arbeitsplätze der Krupp - Hütte in Duisburg Rheinhausen dazu sind das sogar 68500 Arbeitsplätze ohne die Arbeitsplätze der Zulieferindustrie des Hüttenwerks. Man könnte auch sagen, daß alle Einwohner einer mittleren  Stadt ihren Arbeitsplatz verloren haben. Außerdem ist zu bemerken, daß vom 1.Januar 1993 bis zum 31.12.2012 am linken Niederrhein 5900 Jugendliche im Bergbau ihre Berufsausbildung erfolgreich zu Ende gebracht haben. Selbst wenn der Strukturwandel in der Region sehr gut vorranschreiten würde, glaubt in Wahrheit kein Mensch daran, dass diese Arbeitsplätze je wieder geschaffen werden könnten.
Beispiele gibt es genug, man muß sich nur das Pattberg oder Niederberggelände anschauen hier hat es Jahre gedauert bevor sich etwas bewegt hat und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Wie lange hat es gedauert bis das Eurotecgelände abgewickelt war?  Was ist aus der T - Mobil, Siemens und Ben - Q in Kamp - Lintfort geworden?
Wenn jemand glaubt, daß die Investoren in Scharen nach Kamp - Lintfort kommen um dem Bergwerksgeände neues Leben eizuhauchen, dann hat man sich aber geschnitten. So wünschenswert wie es ja wäre aber auch hier werden einige Jahre ins Land gehen. Bei allen Zechenstilllegungen wurden immer schöne Reden gehalten und Versprechungen gemacht, nur hinterher heißt es immer wieder " Was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern " und dann kommt alles ganz anders.

Werbeplakate der Steinkohlezechen aus den 50er und 60er 
Jahren des vorherigen Jahrhunderts



























Belegschaft im gesamten Steinkohlenbergbau der Bundesrepublik Deutschland
1945 bis 2007




2008 bis 2018

  Arbeiter        Angestellte

Jahresende  unter/Tage  über/Tage Gesamt  unter/Tage  über/Tage  Gesamt  RAG/Gesamt

2008

13.626

8.523

22.149

1.994

6.241

8.235

30.384

2009 

12.162 

7.603 

19.765 

1.771 

5.781 

7.552 

27.317

2010 

10.726 

6.649 

17.375 

1.540 

5.292 

6.852 

24.207 

2011 

8.999 

5.812 

14.811 

1.417 

4.697 

6.114 

20.925 

2012 

7.131 

5.138 

12.269 

1.255 

4.089 

5.344 

17.613 

2013

5.644

4.321

9.965

1.061

3.523

4.584

14.549

2014 

4.365 

3.713 

8.078 

913 

3.113 

4.026 

12.104 

2015

3.276

2.955

6.231

752

2.657

3.409

9.640

2016

2.405

2.204

4.609

595

 2.276

 2.881

7.480

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Aktive Bergwerke der RAG im Gründungsjahr 1968


Aktive Bergwerke im Dezember 2008


Aktive Bergwerke ab Januar 2013


Aktive Bergwerke ab Januar 2016
 
   
 
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